Mehr als ein Fünftel der Menschen in der Schweiz sind 65 Jahre alt oder älter. Bis 2035 dürfte ihr Anteil auf rund einen Drittel steigen. Die meisten von ihnen wollen am liebsten in ihren eigenen vier Wänden alt werden. Vor allem, wenn ihnen das Haus oder die Wohnung gehört. Das hat emotionale Gründe, zum Beispiel Erinnerungen an ihre Kinder, die im Haus aufgewachsen sind, und rationale Gründe, weil besitzen günstiger ist als mieten oder ein Platz in einem Alterszentrum beziehungsweise Pflegeheim.
Klären Sie zuerst ab, wie Sie im Alter wohnen wollen
Irgendwann kommt der Moment, wo Sie sich Gedanken über Wohnen im Alter machen sollten. Lieber früher als zu spät. Wenn Sie vorausschauend planen schon beim Kauf, sonst ab plus/minus 50 Jahren, sobald die Kinder ausfliegen und Sie allein oder mit Ihrer Partnerin, Ihrem Partner im zu grossen Haus wohnen. Falls Sie nicht verkaufen und in ein kleineres Haus oder in eine kleinere Wohnung umziehen wollen, weil Sie bis zur Pensionierung arbeiten werden, Ihre Freunde in der Nachbarschaft leben oder Sie gut in der Gemeinde integriert sind, gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten für Wohnen im Alter:
Sie bleiben in Ihrem Haus und nutzen den zusätzlichen Raum beispielsweise als Homeoffice, Atelier oder Musikzimmer. Dafür müssen Sie das grosse Haus und den Garten allein in Schuss halten.
Sie verwandeln eine Etage in eine Einliegerwohnung und vermieten sie. So erhalten Sie eine Miete als Beitrag an Ihre Wohnkosten und müssen nicht mehr so viel Wohnfläche putzen und reinigen.
Sie bauen Ihr Einfamilienhaus in ein Mehrgenerationenhaus für die Familie um. So senken Sie Ihre Wohnkosten, müssen weniger Fläche in Schuss halten und haben Ihre Enkelkinder immer um sich.
Unabhängig davon, ob Sie sich für Variante 1, 2 oder 3 entscheiden, sollten Sie früher oder später Ihr Haus altersgerecht umbauen oder, in einem ersten Schritt, barrierefrei umbauen. Diese Erstmassnahmen für das Wohnen im Alter sind verhältnismässig einfach und kosten wenig.
Barrierefrei umbauen und einrichten: Massnahmen im ganzen Haus
Beleuchten Sie alle Wohnbereiche genügend hell, auch Nebenräume wie den Keller oder Treppen.
Stellen Sie Bewegungsmelder so ein, dass die Lichtintervalle lange genug sind und Sie nicht pressieren müssen.
Räumen Sie alle Hindernisse aus dem Weg, zum Beispiel Kleinmöbel, Pflanzen oder Bücherstapel.
Bringen Sie bei allen Treppen einen (zweiten) Handlauf an, der über die letzte Stufe hinaus sicheren Halt bietet.
Kennzeichnen Sie alle Kanten von Treppenstufen gut sichtbar und kontrastreich.
Achten Sie darauf, dass die Treppentritte rutschfest sind, auch wenn sie feucht oder nass sind.
Legen Sie unter alle Teppiche rutschfeste Gleitschutzmatten.
Kleben Sie hochstehende Teppichränder mit Teppichklebeband am Boden fest.
Barrierefrei umbauen und einrichten: Massnahmen im Wohnzimmer
Achten Sie darauf, dass die Sessel oder das Sofa hoch genug sind, damit Sie einfacher absitzen und aufstehen können. Falls nicht, können Sie Klötze unterlegen.
Richten Sie das Wohnzimmer mit stabilen Möbeln ein, damit Sie sich im Notfall darauf abstützen können.
Verzichten Sie auf Möbel mit Rollen, die wegrollen, falls Sie sich im Notfall darauf abstützen müssen.
Binden Sie alle Kabel zusammen und führen Sie sie den Wänden entlang, damit Sie nicht darüber stolpern können.
Gleitschutzmatten machen Teppiche rutschfest. Auch Sitzgelegenheiten sollten hoch genug sein, um das Absitzen und Aufstehen zu erleichtern.
Barrierefrei umbauen und einrichten: Massnahmen im Schlafzimmer
Achten Sie darauf, dass Ihr Bett hoch genug ist, damit Sie sich problemlos hinlegen und wieder aufstehen können. Falls nicht, können Sie Klötze unterlegen.
Installieren Sie eine Nachttischlampe, damit Sie nachts einfach Licht machen können, wenn Sie aufstehen müssen.
Barrierefrei umbauen und einrichten: Massnahmen im Badezimmer
Montieren Sie Haltegriffe in der Wanne oder ein festes Badebrett, damit Sie einfach ein- und aussteigen können.
Installieren Sie einen Wannenverkürzer, falls die Badewanne zu gross ist, damit Sie nicht untergehen können.
Kleben Sie Antirutschstreifen oder -matten in die Wanne oder die Dusche, damit Sie nicht ausrutschen können.
Stellen Sie einen Hocker in die Dusche oder montieren Sie einen Sitz an die Wand, damit Sie sitzend duschen können.
Montieren Sie Haltegriffe und installieren Sie eine WC-Sitzauflage, damit Sie einfacher absitzen und aufstehen können.
Verlegen Sie einen rutschfesten Bodenbelag oder legen Sie eine Gleitschutzmatte unter die Badezimmerteppiche, damit Sie nicht ausrutschen können.
Altersgerechte Badewannen sind rutschfest, allenfalls verkürzt und haben fest montierte Haltegriffe oder -stangen.
Barrierefrei umbauen und einrichten: Massnahmen in der Küche
Verstauen Sie Pfannen, Küchengeräte und Lebensmittel gut zugänglich, damit Sie sich nicht jedes Mal bücken oder auf einen Schemel steigen müssen.
Altersgerecht umbauen: Lassen Sie sich beraten
Wohnen im Alter planen Sie sinnvollerweise mit einer Fachperson. In jedem Kanton gibt es eine Beratungsstelle für hindernisfreies Bauen. Dort erhalten Sie Informationen und können sich umfassend über wünschenswerte und notwendige Massnahmen beraten lassen. Das Ziel der Beratung und Massnahmen ist, das Haus oder die Wohnung einfach und, wenn möglich, ohne grosse Mehrkosten altersgerecht umzubauen und barrierefrei einzurichten.
Altersgerecht umbauen: So sparen Sie Steuern
Wenn Sie frühzeitig wissen, dass Sie Ihr Haus altersgerecht umbauen wollen, lohnt es sich, vor allem die grösseren und teureren Massnahmen vor Ihrer Pensionierung umzusetzen. Werterhaltende Renovationen dürfen Sie von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Weil Ihr Lohn höher ist als Ihre Rente, können Sie mit Renovationsarbeiten vor der Pensionierung mehr Steuern sparen als nach der Pensionierung. Ausserdem sollten Sie sich aus steuerlichen Gründen überlegen, die Renovation auf mehrerer Jahre zu verteilen und so die Progression zu brechen und Ihre Steuerbelastung zu optimieren. Unter dem Strich können Sie viel Geld sparen, wenn Sie Wohnen im Alter vorausschauend planen und vielleicht sogar mit anderen Sanierungsmassnahmen kombinieren.
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Altersgerecht umbauen: Massnahmen im ganzen Haus
Die Massnahmen hängen von Ihnen und Ihrem Partner, Ihrer Partnerin ab. Wir alle werden älter und gebrechlich, die einen mehr, die anderen weniger. Die Sehstärke lässt nach, die Beweglichkeit sinkt, ein einfacher Sturz kann das Leben grundlegend verändern und Sie stark einschränken. Je grösser die Sturzgefahr beispielsweise ist, desto sinnvoller sind Umbaumassnahmen für das Wohnen im Alter:
Türen, Durchgänge und Aufgänge sollten stufen- und schwellenlos sein, zum Beispiel für den Rollstuhl oder Rollator, aber auch für den Kinderwagen, wenn die Kinder Sie besuchen. Falls nicht, brauchen Sie eine Rampe.
Türen und Durchgänge sollten mindestens 80 Zentimeter breit sein für Rollstühle oder Kinderwagen.
Der Parkplatz im Freien (oder in der Garage) sollte behindertengerecht, gedeckt und einfach erreichbar sein.
Die Treppen sollten breit genug sein, damit Sie allenfalls einen Treppenlift einbauen können.
Lassen Sie überall Lampen installieren und verwenden Sie Leuchtmittel mit mehr Beleuchtungsstärke, weil die Sehleistung mit dem Alter bei den meisten Menschen abnimmt.
Ein Notfallsystem ist sinnvoll, wenn Sie allein wohnen oder länger allein zu Hause sind.
Altersgerecht umbauen: das Badezimmer
Eine Dusche ist praktischer als eine Badewanne, vor allem, wenn Sie im Rollstuhl sitzen oder einen Rollator brauchen. Der Zugang zur Dusche muss darum eben sein – und der Boden der Dusche muss rutschfest sein. Ein fest montierter Sitz an der Wand ist sinnvoll und praktisch.
Falls Sie doch lieber eine Badewanne wollen, montieren Sie Haltestangen und -griffe oder, noch besser, eine Ein- und Ausstiegshilfe. Der Wannenboden muss rutschfest sein, die Wanne sollte nicht zu lang für Sie sein.
Denken Sie an genügend Platz und Bewegungsfreiheit für Sie und eine zweite Person, falls Sie Hilfe bei der Körperpflege brauchen. Ersetzen Sie Möbel durch platzsparende Möbel. Aber nicht unter dem Waschbecken, weil Sie sich sonst jedes Mal mühsam bücken müssen.
Ersetzen Sie den rutschigen Platten- oder Betonboden durch einen rutschfesten Bodenbelag.
Lassen Sie Haltegriffe oder -stangen montieren, damit Sie sich überall festhalten können. Bei der Dusche, bei der WC-Schüssel und beim Waschbecken. Im Bad stürzen viele ältere Menschen.
Altersgerecht umbauen: die Küche
Schränke mit Auszügen sind praktischer und übersichtlicher als Schränke mit Türen.
Herd, Arbeitsfläche und Spülbecken auf derselben Ebene sind praktischer als getrennte Elemente, zum Beispiel eine Kochinsel.
Lassen Sie Geräte wie Backofen oder Steamer auf einer für Sie bequemen Höhe installieren, damit Sie sich nicht bücken oder strecken müssen.
Schaffen Sie sich Küchengeräte und Haushaltmaschinen an, die Ihnen Arbeit abnehmen, und sichern Sie sie mit Antirutschunterlagen.
Lassen Sie einen Rauchmelder installieren.
Altersgerecht umbauen: Wenn Sie schon dabei sind …
Wenn Sie Ihr Haus altersgerecht umbauen, können Sie länger in Ihren eigenen vier Wänden wohnen. Sie könnten noch einen Schritt weiter gehen und Ihre Nebenkosten, vor allem für den Strom, langfristig senken. Das ist sinnvoll, weil Sie nach der Pensionierung mit weniger Geld auskommen müssen als vorher. Ausserdem können Sie energetische Sanierungsmassnahmen auch von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen und so Geld sparen. Drei mögliche Massnahmen:
Wenn Sie die Wände, das Dach und die Kellerdecke isolieren und die alten Fenster gegen Isolierglas austauschen, senken Sie Ihren Energieverbrauch – und damit Ihre Stromkosten – massiv.
Falls Sie noch mit Öl oder Gas heizen, können Sie mit einem neuen Heizsystem die Umwelt und Ihr Budget entlasten. Zum Beispiel mit einer Wärmepumpe. Mit unserem kostenlosen Heizungsrechner finden Sie in zwei Minuten heraus, welches Heizsystem sich für Ihr Haus am besten eignet und wie schnell sich eine neue Heizung amortisiert.
Mit einer Photovoltaikanlage können Sie Ihre Warmwasserversorgung dank Sonnenenergie mehrheitlich selber sicherstellen. Mit unserem Solarrechner finden Sie schnell heraus, ob sich Ihr Dach eignet, wie viel Strom Sie selber produzieren können und wie viel Geld Sie damit sparen können.
Planen Sie Wohnen im Alter am besten mit den Fachleuten von einer Beratungsstelle.
Reden Sie mit Fachleuten für Wohnen im Alter
Wenn Sie Ihr Haus altersgerecht umbauen und nicht nur barrierefrei einrichten wollen, sollten Sie die Massnahmen für Wohnen im Alter mit Fachleuten planen. Reden Sie mit jemandem von der Beratungsstelle für hindernisfreies Wohnen in Ihrem Kanton und dann mit einem Handwerker aus Ihrer Region. Zum Beispiel einem Schreiner oder mit einem Sanitär, wenn Sie Ihre Küche beziehungsweise Ihr Badezimmer altersgerecht umbauen wollen.
Planen Sie die Massnahmen lieber früher als zu spät. Zum einen ist Ihr Haus bereit, zum anderen können Sie alle Arbeiten aufeinander abstimmen und so Kosten sparen und Ihre Steuerbelastung optimieren.